Die Wiege der Klänge erleben
Im Toggenburg formieren sich Wellness-Angebote rund um die Welt der archaischen Klänge
Klangwellness heißt eine neue Strömung im schweizerischen Toggenburg. Diesem Angebot rund um die Erholung von Körper, Geist und Seele haben sich Musiker, aber auch Hotels und der Tourismus allgemein verschrieben. Zwischen Säntis und den sieben Churfirsten tut sich einiges, um Gäste nach Wildhaus, Alt St. Johann und Unterwasser zu locken. Nicht nur das Wandern oder Ski fahren stehen auf dem Programm, sondern die Entspannung bei Musik. Bei Peter Roth wird mit Hackbrett als Begleitung gejodelt und so ein Gänsehautfaktor produziert. Er gibt Jodelkurse, die meist lange im Voraus ausgebucht sind. „Es handelt sich um das Naturjodeln mit Obertönen. Es gibt den Grundton und darüber Melodien. Nur die untemperierten Töne lösen eine Gänsehaut aus. Über den Obertönen gibt es Schwingungen. Ich nehme an, dass das die älteste Form der Musik ist“, erklärt Peter Roth. Er sieht das Jodeln als Völkerverständigung, insbesondere bei den Festivals, wo sich Afrikaner Mongolen Korsen und viele andere Kulturen sich auf einer musikalischen Ebene begegnen. Niemand muss besonders musikalisch sein oder besonders gut singen können. „Wir lösen diese Traumata auf. Oft wurde Menschen gesagt, dass sie ja sowieso nicht singen können. Das spielt bei uns keine Rolle“, schmunzelt der 65jährige. Er ist Komponist, Musiker und Spiritus Rector der Klangwelt Toggenburg.
Brandneu im Angebot verschiedener Hotels wie Hotel Säntis und Hotel Sternen (beides Unterwasser), Hotel Hirschen und Hotels Stump’s Alpenrose (beides Wildhaus) ist die Klangwellness. Es gibt in diesen Unterkünften im Toggenburg bestimmte Klangräume, in denen eine vibro-akustische Klangliege zum Relaxen einlädt. Berndt Vogel ist Deutscher und der Erfinder einer neuartigen High-Tech-Klangliege mit Lichteffekten, Musik, einer Art Baldachin und einem Wasserbett. „Verschiedene Reize wie Hören, Sehen und Spüren werden dabei angesprochen. Das Dach aus Holz soll Geborgenheit vermitteln. Die Klänge, die frei wählbar sind – von Pink Floyd bis zu tibetanischen Klängen – werden über eingebaute Lautsprecher übertragen“, erläutert der Lehrmusiktherapeut Vogel. Die Klänge beginnen langsam, steigern sich dann mit viel Bass, bis der Körper vibriert. Die Augen schließen sich meist nach wenigen Minuten von alleine durch die verschieden farbigen Lichtreize. Bislang gibt es nur fünf Liegen, die im Toggenburg gebaut wurden. Berndt Vogel stammt aus Heidelberg und arbeitete mit schwerbehinderten Menschen als Musiktherapeut. Die Liege kann ohne Begleitperson genutzt werden. Der Untergrund ist ein Wasserbett, das angenehm temperiert ist.
Hansheiri Haas kennt sich sehr gut mit der Klangmassage durch Zupfen von Saiten aus. Diese Möglichkeit bieten die Hotels auch in ihren Klangräumen. „Die Saiten sind unter der Bioklangliege angebracht. Es sind zwei Töne, die erklingen. Der Betreffende spürt die Vibrationen. Eine halbe Stunde dauert etwa eine Sitzung“, sagt Hansheinrich Haas. Tatsächlich zeigt sich nach der Behandlung ein wohliges Kribbeln vom Scheitel bis zur Sohle, das lange danach anhält. Es ist, also sich der Körper ausbalanciert hätte. Ebenfalls ein Novum ist das Klangaqua, bei dem über Lautsprecher im Swimmingpool unter Wasser Musik ertönt. Eine spezielle Musik-Übertragungsanlage bietet dem im Wasser eintauchenden Gast ein neues Klangerlebnis, das körperlich spürbar ist. Denn das Wasser überträgt Schallwellen noch direkter als die Luft. Es sorgt für sanfte Schwingungen und somit für Entspannung. Wer aktiver sein will, nutzt entweder die Instrumente im Klangraum oder geht auf den Klangweg am Fuße der Churfirsten mit über zwanzig Klang-Installationen, die an archaische Formen der Musik mit Glocken oder einfach Holz erinnern.
© Corinna S. Heyn
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